Aktueller Marktbericht

Stand: 23.11.2022

Konjunkturell steht für Europa ein wirtschaftlich herausforderndes Winterhalbjahr bevor. Die derzeitigen Leitzinsen befinden sich bereits nahe eines rezessionsfördernden Niveaus, nicht zuletzt vor dem Hintergrund der weiterhin hohen Energiekosten. EZB-Präsidentin Christine Lagarde wies in einer Pressekonferenz auf die höhere Wahrscheinlichkeit einer Rezession hin, doch die EZB scheint bereit zu sein, zur Inflationsbekämpfung einen Konjunkturabschwung in Kauf zu nehmen.

Der globale Konjunkturausblick hat sich in den letzten Monaten wegen der restriktiven Geldpolitik und weiter hohen Energiekosten ebenfalls eingetrübt. Immer mehr Vorlaufindikatoren, wie etwa die Einkaufsmanagerindizes, deuten auf eine Konjunkturabschwächung hin, wobei sich die Arbeitsmärkte in den USA und Europa noch robust zeigen und die Arbeitslosenraten weiter auf niedrigen Niveaus verharren.
 

Notenbanken setzen Kurs zur Bekämpfung der Inflationsraten fort

Die amerikanische FED und die EZB haben wie erwartet zuletzt die Leitzinsen erneut um jeweils 0,75% angehoben. Die FED hat damit von März bis November den Leitzins schrittweise auf die Bandbreite von 3,75% - 4% gebracht. Die EZB befindet sich seit Juli in einem Anhebungszyklus und hat den Leitzins für die Eurozone per Ende Oktober auf 2% angehoben. Die Notenbanken setzen damit ihren restriktiven geldpolitischen Kurs zur Bekämpfung der hohen Inflationsraten fort. An den Finanzmärkten wird die weitere Entwicklung der Preissteigerungen genau verfolgt, da rückläufige Inflationsraten eine wichtige Voraussetzung für die Notenbanken sind, um künftige Zinsanhebungen zu verlangsamen bzw. ganz einzustellen.

Dahingehend stimmt die Entwicklung in den USA zuversichtlich, da die Inflationsraten zuletzt sanken und damit den Höhepunkt überschritten haben könnten. Gesunkene Energie- und Rohstoffpreise, fallende Transportkosten oder geringere Güterpreissteigerungen deuten vorwärtsblickend auf einen nachlassenden Inflationsdruck hin, wodurch auch der starke Gegenwind an den Finanzmärkten nachlassen dürfte.
 

Positive Erträge nur bei Private Markets

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass die restriktive Geldpolitik der Notenbanken sowie die geopolitischen Krisen stark negative Auswirkungen auf die Veranlagung im Jahr 2022 hatten und nur im Bereich der alternativen Private Markets Investments positive Erträge erzielt werden konnten.

Vorwärtsblickend dürfte der Zinsanhebungszyklus bereits weit fortgeschritten sein. Das höhere Zinsenniveau bietet wieder interessante Einstiegsniveaus und die Chance auf zukünftig höhere Anleiheerträge. Dagegen ist bei volatileren Anlagen wie etwa Aktien aufgrund der schwachen Konjunkturaussichten weiterhin eine vorsichtige Haltung angebracht.

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