Die zweite Säule hat das Potenzial, künftig eine zentrale Rolle im Pensionssystem zu übernehmen
Die angekündigte Reform ist nicht nur zu begrüßen – sie ist längst überfällig. Bisher hatte nur rund jede:r fünfte Arbeitnehmer:in Zugang zu betrieblicher Vorsorge. Gleichzeitig stammen rund 90 % der Pensionsleistungen aus der staatlichen ersten Säule, während die zweite Säule mit nur 4–5 % noch viel Potential zum Wachsen hätte. Das schafft eine starke Abhängigkeit von nur einer Säule – und macht die Altersvorsorge insgesamt weniger krisenfest. Gleichzeitig profitieren Arbeitnehmer:innen dadurch bislang deutlich zu wenig von den langfristigen Erträgen der Kapital- und Finanzmärkte.

Mag. Christian Reiss ist Mitglied des Vorstandes der VBV-Pensionskasse Aktiengesellschaft und VBV-Vorsorgekasse AG
© VBV/TanzerEin zukunftsfähiges Pensionssystem steht für mich daher nicht auf einer Säule, sondern auf drei. Genau das zeigen die meisten europäischen Länder: staatliche Absicherung, breite betriebliche Zusatzpensionen und ergänzende private Vorsorge. Österreich hinkt hier bislang deutlich hinterher.
Die richtigen Hebel, um die Leistungsfähigkeit des Systems nachhaltig zu erhöhen
Erstmals wird eine Zusatzpension für breite Teile der Bevölkerung realistisch. Mehr Zugang, mehr Wahlfreiheit und eine stärkere Nutzung der Kapitalmärkte: Das sind die richtigen Hebel, um die Leistungsfähigkeit des Systems nachhaltig zu erhöhen. Dass sich die Politik hier klar positioniert hat, ist ein wichtiges Signal.
Jetzt kommt es auf die Umsetzung an. Die neuen Modelle müssen einfach, verständlich und praxistauglich sein – nur dann werden sie auch genutzt. Gelingt das, kann sich in Österreich endlich eine starke zweite Säule entwickeln. Man muss aber auch ehrlicherweise sagen: Dafür wird es sicherlich mehr brauchen als nur ein „Standardprodukt zur Übertragung von Vorsorgeansprüchen“. Arbeitgeber mit Verantwortung werden in Zukunft aufbauend auf diese Basis-Lösung sicherlich mehr für ihre Mitarbeitenden anbieten. Betriebliche Altersvorsorge wird zunehmend zu einem strategischen Handlungsfeld für Unternehmen werden. HR ist dabei nicht nur Vermittlerin, sondern aktive Gestalterin, insbesondere wenn es darum geht, eine zusätzliche Pensionsvorsorge und langfristige Sicherheit für Mitarbeiter:innen zu ermöglichen – da reicht ein SpÜV allein nicht aus.
Aber mein Resümee: Diese Reform ist ein erster guter Schritt und hat das Potenzial, das Kräfteverhältnis im Pensionssystem nachhaltig zu verändern und für alle Player zu verbessern.


